
Eine Woche voller neuer Erfahrungen, internationaler Konkurrenz und spannender Rennen: Vom 23. bis 27. September waren Leonie Schneller, Johanna Busch und Mena-Pia Maier von der Halleschen Rudervereinigung Böllberg/Nelson mit der deutschen Auswahl beim Baltic Cup in Estland unterwegs.
Für die drei HRV-Ruderinnen war es ein ganz besonderer Wettkampf: Zum ersten Mal starteten sie für Deutschland und trugen den National-Einteiler des Deutschen Ruderverbandes. Mit ihren Leistungen in der vergangenen Saison hatten sie sich für die deutsche Auswahl empfohlen und durften nun erstmals die deutschen Farben vertreten.
Auch für ihren Trainer Joshua Bathke war die Reise nach Estland eine Premiere. Er war erstmals bei einem internationalen Einsatz der deutschen Auswahl als Trainer dabei und betreute ein Boot des DRV. Dass gleich drei Sportlerinnen seiner Trainingsgruppe den Sprung in die deutsche Mannschaft geschafft hatten, war dabei auch der Lohn für die gemeinsame Arbeit der vergangenen Saison.
Von Halle nach Tallinn
Los ging das Abenteuer am Mittwoch, den 23. September, zunächst mit der Anreise nach Berlin. Dort stand neben dem ersten Kennenlernen der Mannschaft auch die offizielle Einkleidung für die kommenden Wettkampftage auf dem Programm. Für Leonie, Johanna und Mena-Pia gab es dabei einen ganz besonderen Moment: Erstmals hielten sie die Nationalbekleidung des DRV in den Händen.
Am Abend ging es dann noch gemeinsam zum Pizzaessen, bevor am nächsten Morgen ein früher Start bevorstand.
Bereits um 5:45 Uhr hieß es am Donnerstag: Abfahrt zum Flughafen! Von Berlin aus flog die deutsche Mannschaft nach Tallinn. Von dort ging es mit dem Bus noch etwa zweieinhalb Stunden weiter zur ersten Unterkunft.
Nach der langen Anreise stand zunächst ein kleines Aktivierungsläufchen und eine Stabilisationseinheit auf dem Programm. Danach hieß es Kräfte sammeln – am Abend ging es zum gemeinsamen Essen im Hotel.
Erste Einheiten auf der Wettkampfstrecke
Am Freitag wurde es dann erstmals richtig ernst: Die Mannschaft machte sich auf den Weg zur Wettkampfstrecke in Aidu, wo die ersten Trainingseinheiten auf dem Wasser stattfanden. So konnten sich die Sportlerinnen und Sportler mit der Strecke und den Bedingungen vertraut machen.
Nach einer weiteren Einheit am Nachmittag ging es anschließend in das zweite Hotel, in dem auch die Mannschaften der anderen Nationen untergebracht waren. Dort wurden die Sportlerinnen und Sportler nach ihren jeweiligen Bootsklassen auf die Zimmer verteilt.
Spätestens jetzt war die besondere Atmosphäre des Baltic Cups zu spüren: Mannschaften aus zahlreichen europäischen Ländern, Nationalbekleidung überall – und mittendrin drei junge Ruderinnen aus Halle, die erstmals für Deutschland an den Start gingen.
Samstag: 2.000 Meter – und gleich mehrere starke Ergebnisse
Am Samstagmorgen ging es für die deutschen Boote zum ersten Mal über die klassische 2.000-Meter-Distanz. In den Vorläufen kämpften die Mannschaften um den Einzug in die Finals.
Die deutschen Boote zeigten starke Leistungen: Alle deutschen Boote qualifizierten sich für das A-Finale.
Am Nachmittag wurde es dann ernst. Im Finale wartete ein starkes internationales Starterfeld.
Mena-Pia Maier ging gemeinsam mit Fritzie Tolk vom SC Magdeburg im Juniorinnen-Doppelzweier an den Start. Nach einem engen Rennen erreichten die beiden einen starken vierten Platz und verpassten damit bei ihrem ersten gemeinsamen Einsatz für Deutschland das Podium nur knapp. Den Sieg holte Litauen vor Polen und Norwegen.
Noch erfolgreicher lief es für Leonie Schneller und Johanna Busch. Gemeinsam mit Rieke Petschull vom Lübecker Frauen-Ruder-Klub und Jule Oldenburg vom Ratzeburger Ruderclub saßen sie im deutschen Juniorinnen-Doppelvierer.
In einem spannenden Finale mussten sich die vier nur dem polnischen Boot geschlagen geben und sicherten sich den zweiten Platz. Gold ging an Polen, Silber an Deutschland und Bronze an Norwegen.
Damit standen Leonie und Johanna gleich bei ihrem ersten Rennen für Deutschland auf dem Podium und konnten ihre erste Medaille im National-Einteiler des DRV feiern.
Sonntag: Sprint über 500 Meter
Doch viel Zeit zum Ausruhen blieb nicht. Bereits am Sonntag wartete die nächste Herausforderung: Statt 2.000 Metern standen nun 500 Meter auf dem Programm. Auf der kurzen Sprintdistanz zählt jeder Schlag – Fehler darf man sich kaum erlauben.
Auch hier konnten sich fast alle deutschen Boote für die A-Finals qualifizieren.
Mena-Pia und Fritzie konnten sich gegenüber dem Vortag noch einmal steigern. Nach Platz vier über 2.000 Meter erkämpften sie sich im Sprint die Bronzemedaille. Gold ging an Litauen, Silber an Norwegen und Bronze an Deutschland.
Auch Leonie und Johanna zeigten gemeinsam mit Rieke und Jule erneut ein starkes Rennen. Der deutsche Doppelvierer sicherte sich zum zweiten Mal an diesem Wochenende Silber. Norwegen gewann vor Deutschland, Bronze ging an Polen.
Damit kehrten alle drei HRV-Ruderinnen von ihrem ersten Einsatz für Deutschland mit einer Medaille nach Halle zurück: zweimal Silber für Leonie und Johanna und Bronze für Mena-Pia.
Deutschland auf Platz zwei der Gesamtwertung
Auch in der Gesamtwertung des Baltic Cups konnte die deutsche Mannschaft ein starkes Ergebnis erzielen. Insgesamt gewann das junge DRV-Team in Estland zehn Medaillen – zweimal Gold, sechsmal Silber und zweimal Bronze.
In der Nationenwertung setzte sich Polen mit 218 Punkten durch. Deutschland erreichte mit 198 Punkten den zweiten Platz, gefolgt von Litauen mit 172 Punkten auf Rang drei.
Für Leonie, Johanna und Mena-Pia ging damit ein ereignisreiches Wochenende mit starken Rennen, internationalen Erfahrungen und den ersten Medaillen für Deutschland erfolgreich zu Ende.
Und auch für Trainer Joshua Bathke war die Reise nach Estland ein besonderer Abschluss der Saison. Dass drei seiner Sportlerinnen erstmals den National-Einteiler tragen durften und alle drei mit einer Medaille nach Halle zurückkehrten, zeigt die Entwicklung der Trainingsgruppe in der vergangenen Saison.
Der erste Start für Deutschland – und sicherlich nicht der letzte.
Text: Joshua Bathke / Christian Schreiber
Bilder: Rudereltern / Instagram rudern.de















